Outsourcing, Prekäre Beschäftigung und Niedriglöhne

Bericht von der Podiumsveranstaltung in Juni 2018

Attac, DGB Kreisverband, Tübinger Arbeitslosentreff und ver.di Ortsverein hatten am 26. Juni zum Podium „Outsourcing und Niedriglohnsektor“ geladen. Anlass war die Entlassung der 47 Lastwagen-Fahrer im Rewe-Logistikstandort Bondorf im Oktober letzten Jahres, deren Arbeit von externen Speditionen übernommen wurde. Daraus entstand die Idee, sich mit Outsourcing, und prekären Beschäftigungsverhältnisse und niedrige Löhne zu beschäftigen. Es zeigte sich, dass sie auch in Tübingen leider alltäglich sind und zwar nicht nur in der Privatwirtschaft, sondern auch bei öffentlichen Arbeitgebern.

Angela Hauser, Personalratsvorsitzende am Uniklinikum Tübingen berichtete von der Ausgliederung von Küche und Reinigung an die Servicegesellschaft UDO, mit der Folge, dass diese Beschäftigten nun nach schlechteren Tarifverträgen entlohnt werden.

Margrit Paal, Personalratsvorsitzende der Universität legte dar, dass langjährige Befristungen im wissenschaftlichen Bereich inzwischen Standard für über 85 Prozent der Beschäftigten sind. Auch im wissenschaftsunterstützenden und administrativen Bereich steigt die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse.

Gerlinde Strasdeit, ver.di-Ortsvorstandsvorsitzende und Linke-Stadträtin sprach über die Teilausgliederung der städtischen Reinigungskräfte: seit 20 Jahren wurde mit „Einspargedanken“ immer mehr fremdvergeben. Die Beschäftigten – überwiegend Frauen – wurden in prekäre Stellen geschickt: 400-Euro-Jobs, Leiharbeit, ohne Weihnachtsgeld, meist befristet, weniger Urlaub wie im öffentlichen Dienst. Der Personalrat und die Linke-Fraktion haben das immer wieder heftig kritisiert. Für Strasdeit ist klar: Die Kommunen dürfen nicht zu Vorreitern der Tarifflucht und Prekarisierung werden. Die Linke beantragt Jahr für Jahr die Reinigung wieder zu 100% zu kommunalisieren, leider gab es dafür bisher keine Mehrheit.

Helga Fischer berichtete, dass es schwer war und lange dauerte, einen Betriebsrat bei sMAIL zu gründen. Viele Beschäftigte sind Studierende und SchülerInnen und deshalb schwer für die Gewerkschaft anzusprechen. Befristungen und niedrige Löhne führen zu hoher Fluktuation: viele Beschäftigte sind schnell wieder weg, sobald sie etwas besseres finden.

Ein positives Beispiel konnte Strasdeit anführen: die Privatisierung der städtischen Müllabfuhr konnte 2009 u.a. mit einer ver.di-Postkartenaktion verhindert werden.

Klar wurde, dass betriebliches und gewerkschaftliches Engagement wichtig ist, um gute Arbeitsbedingungen durchzusetzen, aber nicht ausreicht. Die Politik müsse Prekarisierung und Niedriglöhnen entgegen wirken, anstatt sie zu beförden z.B. durch Rekommunalisierung, einen (alters-)armutsfesten Mindestlohn von 12 Euro, Befristungen, Leiharbeit und Werkversträge verbieten.

Dieser Beitrag wurde unter Infos veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.